Familiensaga
Es begleitet mich schon eine Weile, dieses Projekt. Begonnen hat es 2012 mit einer Reise nach Sedrun. Dort, im Archiv communal, das von Tarcisi Hendry geführt wird und der uns herumführte, durfte ich in alten Dokumenten erste Eindrücke vom Leben im Tujetsch des 19. Jahrhunderts aufnehmen. Mit einem sehr dicken Buch, das Tarcisi aus Briefen der nach Amerika Ausgewanderten, genealogischen Aufzeichnungen, Fotografien nach Familien aufgestellt hatte, fuhr ich tief beeindruckt ins Unterland zurück.
Zum Verständnis: Sedrun ist wohl die bekannteste Fraktion der flächenmässig grossen Gemeinde Tujetsch (früher Tavetsch), die zuhinterst im Talkessel liegt, danach gibt es nur noch den Oberalppass. Diese Gemeinde, katholisch, romanischsprachig und vor dem Aufkommen des Tourismus und der industriellen Wasserkraft sehr arm, lebte damals ausschliesslich von der Landwirtschaft, die viele Familien nicht ernähren konnte.
Angetrieben von diesem neuen Wissen, verbunden mit den eigenen Wurzeln in der Gegend, habe ich die Idee zu meinem Roman entwickelt. Dass ich dazu Romanisch in den Grundzügen würde lernen, nach Polen fahren, Kurrentschrift entziffern in der Lage sein müssen, konnte ich nicht ahnen respektive das Ausmass der ganzen Recherchearbeit konnte ich zu Beginn nicht einschätzen. Hätte mich dieses Wissen von meinem Projekt abgehalten? Eher nicht.
Der Vorfahr und sein Archivar (Arbeitstitel)
Europa während der grossen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts; eine Familie, drei Leben:
Jakob entflieht der bäuerlichen Armut in den Bündner Bergen und zieht als Melker ostwärts, bis er sesshaft wird und mit Anna in Schlesien eine Familie gründet. Im Nachgang des Zweiten Weltkriegs verliert er Familie, Hof und seine Anna, und muss zurück in die Schweiz. Er gibt die Suche nach ihr nicht auf.
Motte, seine Enkelin, flieht als Jugendliche in die unbekannte Schweizer Heimat, entschlossen, sich hier ein gutes Leben aufzubauen.
Hilde, ihre deutsche Schwester, muss sich den Eintritt in die Heimat ihrer Familie teuer erkaufen, bis sie endlich den Mut aufbringt, sich ihren eigenen Traum zu erfüllen.
Jakob - Prolog
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